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Projektstatus:
Abgeschlossen (2002 - 2008)

Projektleiter:
Dr. med. Antje Beyer (1. Förderperiode bis 02/2006)
PD Dr. med. Shahnaz Christina Azad (Rest 2. Förderperiode)
Zentrale pathophysiologische Mechanismen an Patienten mit komplexem regionalem Schmerzsyndrom (CRPS) der Hand (Projekt A)

Epidemiologische Untersuchungen und Prävention von chronischem Schmerz bei Patienten mit akutem CRPS durch prolongierte Applikation von niedrig dosierten Cannabinoiden (Projekt B)


Das CRPS (Complex Regional Pain Syndrome), im deutschen Sprachgebrauch Morbus Sudeck genannt, ist ein Schmerzsyndrom im Bereich der Extremitäten, das sich in der Regel nach einem Trauma manifestiert. Es ist charakterisiert durch spontane und evozierte Schmerzen, autonome Funktionsstörungen (Ödem, Temperaturveränderungen, Sudomotorikveränderungen), neurologische Störungen, Störungen der Trophik bis hin zur Funktionslosigkeit der betroffenen Extremität. Die Pathophysiologie ist noch nicht geklärt. Man geht von einer neurogenen Entzündung und Funktionsstörung des sympathischen Nervensystems aus, wobei es zunehmend Hinweise dafür gibt, dass diese Mechanismen auf einer Störung in höheren Zentren des ZNS beruhen. Es ist bekannt, dass sich bei Phantomschmerzen, einem neuropathischen Schmerzsyndrom, die Lokalisation der Repräsentation der Extremität im sensorischen Kortex ändert. Dies wird mit der Entstehung von Phantomschmerzen in Verbindung gebracht. Daher ist es von großem Interesse zu prüfen, ob dieses Phänomen beim CRPS auch auftritt und ob letzteres und der Schmerz durch eine Sympathikusblockade beeinflusst werden kann.

Projekt A (Pathophysiologische Mechanismen des CRPS): Ziel der Untersuchung ist es, anhand von je 10 Patienten mit akutem und chronischem Verlauf eines CRPS mittels des funktionellen Kernspin (fMRI) kortikale Reorganisationsmechanismen und deren Abhängigkeit von der Sympathikusfunktion zu untersuchen. Die kortikale und thalamische Aktivität bei thermischer Stimulation werden sowohl mit als auch ohne schmerzhafte Reizung untersucht. Dabei werden folgende Hypothesen geprüft: Ob es im Rahmen der Erkrankung zu zentralen Reorganisationsprozessen kommt, ob dabei die Schmerzintensität mit dem Ausmaß der kortikalen Reorganisation in Beziehung steht und ob diese Vorgänge durch eine Sympathikusblockade beeinflusst werden können. Das erste fMRI wird nach der standardisierten Untersuchung (s.u.) durchgeführt. Innerhalb von fünf Tagen danach erfolgt eine Sympathikusblockade, die mittels Laser-Doppler-Flowmetrie auf Vollständigkeit untersucht wird. Mit einem erneuten fMRI wird der Effekt der Sympathikusblockade auf die kortikalen und thalamischen Aktivierungsmuster untersucht. Die genaue Untersuchung der Patienten erfolgt nicht nur hinsichtlich Schmerz, sondern auch bezüglich autonomer, sensibler und motorischer Funktionsveränderungen vor und nach Intervention.

Desweiteren soll über Mapping des Motorkortex mittels transcranieller Magnetstimulation bei Patienten mit CRPS in den drei Stadien der Erkrankung sowie nach unkomplizierter Radiusfraktur Verbindung zum klinischen Verlauf hergestellt werden. Es soll damit ggf. der Nachweis geführt werden, dass qualitative und quantitative Veränderungen der kortikalen Repräsentation im motorischen Kortex in Zusammenhang stehen mit den motorischen Symptomen von CRPS-Patienten.

Projekt B (Epidemiologische Untersuchungen von Patienten mit CRPS der Hand): 200 Patienten mit CRPS werden in einer Langzeituntersuchung mindestens 18 Monate nach Trauma nachuntersucht. Dabei handelt es sich um diejenigen Patienten, die seit Januar 1999 wegen eines CRPS der oberen Extremität im Klinikum Großhadern durch die Arbeitsgruppe CRPS untersucht und behandelt wurden. Sie durchlaufen bei Nachuntersuchung ein standardisiertes Untersuchungsverfahren,das aus mehreren Fragebögen besteht (u.a. Schmerz, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Angaben zur Handfunktion, Michigan Handscore, Assessment zur beruflichen Situation) sowie standardisierten Untersuchungen (Münchner CRPS-Handscore, Quantitatives Sensorisches Testing der Sensibilität, Laser Doppler Flowmetrie zur Sympathikusfunktionsmessung, Untersuchung zum Funktionsstatus der Hand mittels SODA "Sequential Occupation Dexterity Assessment" ). Außerdem werden die Zeiten bis zu Diagnosestellung, die Zeit bis zur Einleitung einer spezifischen Therapie und die durchlaufenen Therapieverfahren registriert. Durch die Erfassung des langfristigen Verlaufs werden Daten gewonnen, die hinsichtlich der ökonomischen und psychosozialen Bedeutung dieser Erkrankung relevant sind und bis jetzt für den deutschsprachigen Raum nicht existieren.

Im Teilprojekt "Prävention von chronischem Schmerz bei Patienten mit akutem CRPS durch prolongierte Applikation von niedrig dosierten Cannabinoiden" ist eine prospektive, randomisierte Studie geplant. Ziel ist es, zu überprüfen, ob die niedrig dosierte Gabe des oralen Cannabinoids Delta-9-Tetrahydrocannabinol die Entstehung von chronischem Schmerz, Sensibilitätsstörungen und Funktionseinschränkungen senkt und die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Patienten mit CRPS signifikant im Vergleich zu Placebo verbessert.