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Häufige Fragen
                 

  • Was ist ein Schmerzgedächtnis?    
  • Kann man Schmerzen erlernen und verlernen?   
  • Kann man Schmerzen messen?
  • Kann man Schmerzen visualisieren?
  • Ist chronischer Schmerz heilbar?
Was ist ein Schmerzgedächtnis?
Unter einem Schmerzgedächtnis versteht man die Fähigkeit des Nervensystems, sich negative Erlebnisse wie z.B. starke Schmerzen zu merken und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzurufen. Das Schmerzgedächtnis kann man sich also als eine Art Erinnerungsspur im Nervensystem vorstellen, bei dem sich ein "Bild des Schmerzes" eingebrannt hat.

Damit sich ein Schmerzgedächtnis ausbilden kann, reicht mitunter bereits eine kurze schmerzhafte Reizung aus. Dabei kommt es zu molekularen Änderungen der Nervenzellen und zu neuen Verschaltungen der Schmerzverarbeitung im Rückenmark und im Gehirn. Die Fähigkeit des Gehirns sich sowohl strukturell als auch funktionell veränderten Bedingungen anpassen zu können, bezeichnet man auch als neuronale Plastizität.

Ein anschauliches Beispiel für ein "Schmerzgedächtnis" ist ein Patient, der Schmerzen auch dann noch spürt, wenn die verursachende Körperstelle schon lange wieder gesund ist. Trotz dieser äußerlichen Heilung können die eingetretenen, tief greifenden Umstrukturierungen der Nervenzellen so beträchtlich sein, dass der Schmerz lange, möglicherweise auch lebenslang, anhält. Schmerz ist hier nicht länger ein Symptom einer Erkrankung, das einen sinnvollen Schutzmechanismus darstellt. Vielmehr hat der Schmerz einen eigenständigen Krankheitswert entwickelt, weswegen man auch von der Schmerzkrankheit spricht.

Kann man Schmerzen erlernen und verlernen?
Wenn das Konzept eines Schmerzgedächtnisses stimmig sein will, muss unterstellt werden, dass das Nervensystem Schmerzen lernen und dementsprechend auch wieder verlernen kann. Entsprechend der neuronalen Plastizität kann sich das Nervensystem sowohl strukturell als auch funktionell veränderten Bedingungen anpassen. Dementsprechend kann ein wiederholter Schmerzreiz den Lernvorgang - nicht anders als bei vielen anderen Dingen des Lebens - deutlich verstärken. Nach dieser Vorstellung sind immer wiederkehrende Schmerzen leichter in der Lage, eine dauerhaftere Veränderung im Nervensystem zu erzwingen.

Aufgrund der neuronalen Plastizität kann das Nervensystem prinzipiell auch wieder vergessen, was es einmal gelernt hat. Das Schmerzgedächtnis müsste also auch wieder gelöscht werden können. Allerdings ist dies nicht so einfach, da sich das Nervensystem ja bereits verändert hat. Die augenblicklichen Konzepte des "Verlernens" von Schmerz beruhen im Wesentlichen auf der pharmakologischen Modulation der Schmerzen. Medikamente sollen dabei zum einen die Weiterleitung und Verarbeitung des Schmerzes, zum anderen die körpereigene Mechanismen der Schmerzdämpfung beeinflussen. Nervenzellen sollen damit wieder in den gesunden Zustand umprogrammiert werden. Zusätzlich kommen Maßnahmen im Sinne einer physikalisch-medizinischen oder psychologischen Behandlung zur Anwendung. Auch diese sollen verfestigte Verarbeitungsprogramme im Rückenmark und Gehirn wieder aufbrechen und in eine normale Funktion zurückführen.

Gehen wir also davon aus, dass der Umbau von Nervenzellverbindungen - ausgelöst durch lang andauernde oder sehr starke Schmerzen - zur Chronifizierung führen kann, muss eine vorausschauende Therapie schwere Schmerzen zu jedem Zeitpunkt möglichst optimal ausschalten. Es gilt also, überhaupt die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses zu verhindern. Allgemeines Ziel ist daher die maximale Schmerzfreiheit. Diese kann oftmals nur durch eine multimodale Behandlung erreicht werden. Je nach Ursache der Schmerzen kommen Entzündungshemmer, Antidepressiva, Antiepileptika oder auch Opioide zum Einsatz. Aber auch physikalische und psychologische Maßnahmen spielen eine bedeutende Rolle.

Kann man Schmerzen messen?
Der Schmerz ist definitionsgemäß ein subjektives Erlebnis, das verschiedene Komponenten - biologische, psychologische, soziale und kulturelle - beinhaltet. Grundsätzlich lässt sich eine experimentelle Schmerzmessung von einer klinischen Schmerzmessung unterscheiden.

In der experimentellen Schmerzmessung gelingt eine gewisse Objektivierung. Dabei werden Gehirnantworten registriert, die der Stärke des Schmerzreizes und dem erlebten Schmerz entsprechen.

Die klinische Schmerzmessung hingegen ist ein Verfahren, das man nur mit differenzierten, psychometrischen Testverfahren angehen kann. Hier erfolgt die subjektive Schmerzbeurteilung durch den Patienten. Dies geschieht mittels verschiedener Skalen zur Schmerzstärke sowie zur affektiven (emotionalen) Beteiligung des Schmerzerlebens bis hin zum Grad der durch den Schmerz eingetretenen Behinderung. Zusätzlich erfolgt die Beurteilung von Depression, Angst, Schmerzverarbeitung und -bewältigung. Auch wenn die Patientenangaben hinsichtlich des Schmerzes immer subjektiv bleiben, ermöglichen sie eine gute Beurteilung hinsichtlich der Wirksamkeit schmerztherapeutischer Behandlungen. Eine umfassende Durchführung der Tests führt insgesamt zu einer guten Abbildung der vom Patienten tatsächlich erlebten Schmerzen.

Kann man Schmerzen visualisieren?

Neue Methoden der Bildgebung wie die fMRT (funktionelle Magnetresonanz-Tomographie) und die PET (Positronen-Emissions-Tomographie) erlauben interessante Einblicke in die Verarbeitung des Schmerzes im Gehirn. Sie geben Hinweise darauf, welche Anteile des Gehirns für die Verarbeitung der sensorischen (wahrnehmenden), affektiven (emotionalen) und kognitiven (geistigen) Aspekte des Schmerzes in besonderem Maße verantwortlich sind. In diesem Sinne lassen sich Schmerzen also visualisieren. Auf diese Weise können auch schmerztherapeutische Maßnahmen bzw. eben die dadurch hervorgerufenen Veränderungen der Hirnstrukturen beobachtet werden.
Ist chronischer Schmerz heilbar?

Auch bei lange bestehendem chronischem Schmerz sind therapeutische Maßnahmen angebracht. Denn eine massive Schmerztherapie dämpft die Schmerzverarbeitung, beruhigt das Nervensystem und beeinflusst so das Schmerzgedächtnis. Selbst, wenn keine Schmerzfreiheit erzielt werden kann, führt eine Therapie in der Regel zu einer deutlichen Linderung der Schmerzen. Nicht zuletzt lässt sich auf diese Weise die Lebensqualität des Patienten deutlich verbessern.

Entscheidend ist: Patient und Arzt brauchen viel Geduld. Zudem ist der Einsatz aller therapeutischen Möglichkeiten erforderlich. Hierzu zählen medikamentöse Maßnahmen, wobei die richtige Substanz und Dosierung sorgfältig und individuell zu erproben ist. Zudem sind psychologischen Verfahren wie die Vermittlung von Schmerz- und Stressbewältigungsstrategien oder Gesprächssitzungen bedeutend. Weitere Verfahren wie z.B. die Krankengymnastik oder die Entspannungstherapie dienen dazu, das Körperbewusstsein und das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit wieder zu steigern. Optimale Schmerzlinderung erzielt der Patient in der Regel nur dann, wenn ein interdisziplinäres Team aus unterschiedlichen Fachgebieten zusammenarbeitet.